Johann Wilhelm Wölfel (30. März 1902 – 3. Juli 1944), Rechtsanwalt.
Vorsitzender des Ortskartells der katholischen Vereine Bambergs. Mitglied der Bayerischen Volkspartei.
Nach dem 31. Januar 1933 Verteidiger Bamberger Bürger vor dem Sondergericht.
1943 angeklagt wegen Wehrkraftzersetzung und vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt.
Hingerichtet am 3. Juli 1944 in Görden a. d. Havel.

 
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Kurzbiographie

Hans Wölfel und das Kaiser-Heinrich-Gymnasium Bamberg

 

 

Johann Wilhelm Wölfel – Kurzbiographie

Hans Woelfel Portrait Hans Wölfel um 1935
Foto: Stadtarchiv Bamberg

 

Hans Wölfel wurde am 30. März 1902 in Bad Hall, Österreich, geboren.  Seine Eltern betrieben eine Großgärtnerei. Seit 1916 lebte Wölfel bei seinem Onkel, Johann Wölfel, der Pfarrer in Ebing, heute Gemeinde Rattelsdorf, war. Er besuchte das Alte Gymnasium in Bamberg und machte dort 1922 Abitur. Als Student der Jurisprudenz in Würzburg schloß er sich der Katholischen Studentenverbindung Rheno- Frankonia im KV (Kartellverband katholischer deutscher Studentenvereine) an.

1929 ließ er sich in Bamberg als Rechtsanwalt nieder. Im selben Jahr heiratete er. Als Vorsitzender des Ortskartells der katholischen Vereine Bambergs hatte er Einfluß und genoß Ansehen. In den Wahlen des Jahres 1932 trat er entschlossen für die Bayerische Volkspartei und die Weimarer Republik im Kampf gegen den Nationalsozialismus ein. Nach der “Machtergreifung” schwieg er. In seiner Arbeit zeigte sich jedoch seine unveränderte Gesinnung: Er verteidigte Bamberger Bürger, die wegen angeblich staatsgefährdender Vergehen vor dem Sondergericht angeklagt waren.

Im Juli 1943 äußerte sich Wölfel im Kreis von Bekannten kritisch über die politische und militärische Lage Deutschlands und sagte, Hitler sei der größte Wortverdreher aller Zeiten. Eine der Zuhörerinnen, eine junge Frau und Parteigenossin, denunzierte ihn. In den Verhören durch die Gestapo erklärte Wölfel, daß er bestimmten Lehren des Nationalsozialismus nicht zustimmen könne, da sie seiner christlichen Überzeugung widersprächen. Wölfel wurde in Berlin inhaftiert, vor den Volksgerichtshof gestellt und wegen Wehrkraftzersetzung zum Tode verurteilt. Am 3. Juli 1944 wurde er in Brandenburg-Görden hingerichtet.

Nicht alle, die vor dem Volksgerichtshof standen und wegen Wehrkraftzersetzung angeklagt waren, wurden zum Tode verurteilt. Die Hinrichtung Wölfels muß daher als die bewußte Beseitigung eines Mannes gedeutet werden, der die Ideologie und den Machtanspruch des Nationalsozialismus ablehnte. Die Kraft zu dieser Haltung kam aus seiner religiösen Überzeugung. Schon als junger Mann hatte Hans Wölfel gedichtet: Herrgott, nimm meine Seele in Deine Vaterhand, form Sie nach Deinem Willen und frei von allem Tand. Nimm sie und schlage wacker drein, und haue sie zu Fels und Stein, auf den Dein Glaube ist gestellt, an dem der Lüge Meer zerschellt - Herrgott, schlag drein! Die jugendliche Begeisterung dieses Gedichts wandelte sich im Laufe des Lebens zu unermüdlicher Berufsarbeit, zu selbstverständlicher Hilfsbereitschaft für alle, die Hilfe brauchten, zu einer Frömmigkeit, die sich im regelmäßigen Besuch des Gottesdienstes in seiner Heimatpfarrei St.Gangolf zeigte. Eine Trennung von Privatleben, Berufsangelegenheiten und politischen Zielsetzungen war ihm fremd. Er suchte die Einheit seines Lebens im christlichen Glauben und formte es nach christlichen Grundsätzen. Das befähigte ihn zum entschiedenen Widerstand gegen eine ungerechte und widerchristliche Staatsgewalt.

Freunde und Berufskollegen ließen im Treppenaufgang des Oberlandesgerichts Bamberg für Hans Wölfel eine Gedenktafel anbringen mit der Inschrift:
VINDEX - JURIS - PERIIT. Die Stadt Bamberg gab ihm ein Ehrengrab.

Literatur

Braun, Lothar: Hans Wölfel und sein politischer Prozeß. In: Bericht des Historischen Vereins Bamberg 139 (2003), S. 399-410.

Buchstab, G./ Kaff B./ Kleinmann, H. O.: Verfolgung und Widerstand. Christliche Demokraten gegen Hitler. Düsseldorf 1986. Darin Urteil des Volksgerichtshofes gegen Hans Wölfel und Urteilsbegründung, S. 177 ff.

Leugers, Antonia: Widerstand im Alleingang? Beispiele aus Bambergs Kirchengeschichte während des Dritten Reiches. Vortrag vor dem Historischen Verein Bamberg  zusammen mit dem Studienförderverein Mainfranken Bamberg am 16. Dezember 1994. In Bericht des Historischen Vereins Bamberg 131 (1995), S. 439 - 451.

Mechtildis, Bocksch, Hg.: Hans Wölfel. Ein Bamberger im Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Leben und Erinnerung, Bamberg 2004.

Reindl, Alwin: Hans Wölfel als Anwalt vor dem Sondergericht Bamberg.
In: 149. Bericht des Historischen Vereins Bamberg (2013), S. 29 1– 320.

Zeißner, Werner: Hans Wölfel. In:  Zeugen für Christus. Das deutsche  Martyrologium des 20. Jahrhunderts. Hg. im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz von Helmut Moll. Paderborn 1999, Band I, S. 87 – 90.


 
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